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Tannenberg-Denkmal
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Das Tannenberg-Denkmal (offiziell Tannenberg-Nationaldenkmal, ab 1935 Reichsehrenmal Tannenberg) wurde von 1924 bis 1927 bei Hohenstein in der Provinz Ostpreußen errichtet. Es erinnerte an die Schlacht bei Tannenberg 1410 wĂ€hrend des Polnisch-Litauisch-Deutschen Krieges, die Tannenbergschlacht im August 1914 und die Schlacht an den Masurischen Seen im September 1914. Pioniere der Wehrmacht sprengten das Denkmal im Januar 1945 vor der anrĂŒckenden Roten Armee. Von 1934 bis 1945 standen die SĂ€rge Paul von Hindenburgs und seiner Frau Gertrud in einer Gruft im Hindenburgturm des Denkmals.

Contents

‱ Errichtung
‱ Ende
‱ Siehe auch
‱ Literatur
‱ Weblinks

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Benennung und Ort

Die Erste Schlacht bei Tannenberg, im Polnischen Schlacht bei Grunwald (Bitwa pod Grunwaldem) genannt, wurde 1410 zwischen dem Deutschen Orden und der Polnisch-Litauischen Union bei GrĂŒnfelde (heute Grunwald), einem Dorf zwischen Tannenberg (Stębark) und Ludwigsdorf (Ɓodwigowo), geschlagen. Die nĂ€chstgelegene Stadt war Gilgenburg (DąbrĂłwno). Die Geschichtsschreibung des Deutschen Ordens nannte die Schlacht schlicht grossen streyth, den „großen Streit“. In Banderia Prutenorum und den Annales, mehrere Jahrzehnte spĂ€ter von Jan DƂugosz verfasst, wird die Schlacht in Latein nicht als Schlacht von GrĂŒnfelde, sondern als Schlacht von Grunwald bezeichnet. Die Benennung Grunwald hatte DƂugosz fĂ€lschlicherweise der in lateinischen Urkunden verwendeten Ortsbezeichnung Grunenvelt entlehnt. DƂugosz war es jedoch auch, der die Ritter des Deutschen Ordens rĂŒckwirkend als Preußen bezeichnete und damit den historischen BrĂŒckenschlag zwischen dem Ordensstaat und dem Preußischen Königreich fĂŒr die polnische Geschichtsschreibung legte. Der im Litauischen verwendete Name Ćœalgiris, abgewandelt von ĆŸalia giria („GrĂŒner Wald“), ist eine schlichte Übersetzung der Ortsbezeichnung Grunwald. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges kam GrĂŒnfelde zu Polen und wurde mit Verweis auf die Schlachtenbenennung im Polnischen in Grunwald umbenannt. Deutschsprachige Publikationen verwenden den Namen Tannenberg,cite-ref-1[1]cite-ref-2[2] bei Übersetzung in slawische Sprachen kommt Grunwald zum Zuge,cite-ref-3[3] oder es werden gleich drei Namen aufgelistet.cite-ref-4[4]

Die Zweite Schlacht bei Tannenberg war eine Schlacht des Ersten Weltkrieges, die in der Gegend sĂŒdlich von Allenstein (Olsztyn) in der Provinz Ostpreußen stattfand. Dabei handelte es sich um eine Kesselschlacht, die ein sehr weites Territorium mit einbezog. Der Ring des Kessels zog sich kurz vor der Kapitulation der russischen 2. Armee ĂŒber die Ortschaften Hohenstein (Olsztynek), Neidenburg (Nidzica), Willenberg (Wielbark), Ortelsburg (Szczytno) und Passenheim (Pasym). Der Ort der historischen Tannenberg-Schlacht, von Hohenstein ca. 14 Kilometer entfernt, lag in der Endphase außerhalb des Geschehens, war aber anfangs mit einbezogen. Hindenburg selbst sprach in seiner an die deutsche 8. Armee gerichteten Ansprache von den Gefechten zwischen Allenstein und Neidenburg. Auch im kaiserlichen GlĂŒckwunschtelegramm wurde die Bezeichnung Schlacht bei Allenstein genutzt. NachtrĂ€glich wurde auf Initiative Hindenburgs und unter Mitwirkung Erich Ludendorffs und Max Hoffmanns jedoch die Bezeichnung Schlacht bei Tannenberg propagiert, um die Niederlage der Ritter des Deutschen Ordens gegen die Polnisch-Litauische Union 1410 ĂŒberstrahlen zu lassen.cite-ref-5[5]cite-ref-6[6]cite-ref-7[7]

Grunwald- bzw. Tannenbergmythos

Der Grunwaldmythos, der nach der ReichsgrĂŒndung von 1871 einen enormen Bedeutungsgewinn erfuhr, wurde zu einem beliebten Sujet der polnischen Malerei und Literatur. In Deutschland wurde der Tannenbergmythos als Gegenbewegung beim Sieg ĂŒber die russischen Truppen im August 1914 mit der Schlacht von 1410 verknĂŒpft. Der Sieg von 1914 spielte eine wichtige Rolle im Hindenburgkult und das Nationaldenkmal Tannenberg wurde zum Ort großer deutschnationaler und nationalsozialistischer Feiern.

Das erste Mal wurde Grunwald in der Literatur wie Adam Mickiewicz’ Versepos Konrad Wallenrod (1828) als historisches Sujet genutzt, um Kritik an der aktuellen russischen Politik in ein unverdĂ€chtiges historisches Gewand zu kleiden. Mickiewicz verlegte den aktuellen polnisch-russischen Konflikt ins Mittelalter, verwandelte die Russen in deutsche Ordensritter und umging damit die russische Zensur.

Karol Szajnochas GeschichtserzĂ€hlung Jadwiga i JagieƂƂo, die auf Jan DƂugosz’ Annalen beruhte, wie auch das erste Buch ĂŒber die KrzyĆŒacy (Kreuzritter) von JĂłzef Ignacy Kraszewski aus dem Jahr 1874 dĂ€monisierte die Ordensritter. Als sich im Bismarckschen Kulturkampf der Druck auf die katholische Kirche und die polnische Sprache erhöhte, war die RĂŒckbesinnung auf Grunwald naheliegend. Der Maler Jan Matejko und der Schriftsteller Henryk Sienkiewicz prĂ€gten den politischen Mythos entscheidend. Matejko zieht den Zuschauer in das Kampfgeschehen hinein. Nach eigenem Bekunden hatte Matejko das GemĂ€lde „mit Wut“ auf die deutsche Polenpolitik gemalt. Die Bevölkerung nahm das GemĂ€lde an, wĂ€hrend die professionelle Kunstkritik die Komposition kritisierte. Das GemĂ€lde inspirierte den spĂ€teren LiteraturnobelpreistrĂ€ger Henryk Sienkiewicz zu seinem patriotischen Roman KrzyĆŒacy. Sienkiewicz schilderte die Auseinandersetzung zwischen polnischer Krone und den Ordensrittern als Kampf zwischen Gut und Böse und zog eine direkte Linie zum polnisch-deutschen Kulturkampf in der Provinz Posen. Der Roman war ein großer internationaler Erfolg und wurde in viele Sprachen ĂŒbersetzt.

Erstmals wurde der Jahrestag der Grunwaldschlacht im Jahre 1902 als Nationalfest begangen. Die Organisatoren in Galizien reagierten damit auf die VerschĂ€rfung des polnisch-deutschen Konflikts, den Wreschener Schulstreik von 1901, die darauf folgenden Prozesse und die antipolnische Rede Kaiser Wilhelms II. auf dem Johanniterfest auf der Marienburg 1902. Höhepunkt der Grunwaldbegeisterung war aber der 500. Jahrestag der Schlacht im Jahre 1910, der in Krakau stellvertretend fĂŒr alle Teilungsgebiete begangen wurde. 150.000 Besucher nahmen an den dreitĂ€gigen Feiern teil.

Im protestantischen Preußen wurde dagegen der Deutsche Orden bis ins 19. Jahrhundert hinein kritisch betrachtet. Doch dann integrierte ihn Heinrich von Treitschke in die preußische Tradition als Verkörperung der deutschen „Mission im Osten“ und als Beleg einer „deutschen KulturtrĂ€gerrolle“. Die polnischen Feiern wurden im Deutschen Reich aufmerksam beobachtet. Deutsche Historiker deuteten daraufhin Tannenberg als ehrenhafte und tragische Niederlage gegen einen heimtĂŒckischen Feind. Kennzeichnend dafĂŒr war die Inschrift des Jungingensteins, der 1901 fĂŒr Ulrich von Jungingen auf dem Schlachtfeld aufgestellt wurde: „Im Kampf fĂŒr deutsches Wesen, deutsches Recht starb hier der Hochmeister Ulrich von Jungingen am 15. Juli 1410 den Heldentod“.

Errichtung

Der zehn Tonnen schwere Gedenkstein, der den Namen des damals gefallenen Hochmeisters Ulrich von Jungingen trĂ€gt, ist heute noch vorhanden. Allerdings wurde er nach 1945 durch Polen mit der Vorderseite nach unten gestĂŒrzt, sodass die deutsche Inschrift nicht mehr lesbar ist.

Zum fĂŒnften Jahrestag der Schlacht schlug der Bund der Veteranen der Provinz Ostpreußen vor, am Ort der Schlacht ein Denkmal zu bauen und die Gefallenen dort zu ehren. Das Schlachtfeld war schließlich das einzige des Weltkrieges, das innerhalb des Reichsgebietes lag. FĂŒr die ostpreußische Bevölkerung war dies immer der Ort, an dem der russische Vormarsch nach der deutschen KriegserklĂ€rung vom 1. August 1914, der gewaltige FlĂŒchtlingsströme verursachte und empfindliche KollateralschĂ€den nach sich zog, gestoppt wurde. Somit war dies der Ort der Rettung des Vaterlandes. Am 31. August 1924 fand die feierliche Grundsteinlegung in Hohenstein statt, an der neben Hindenburg und Ludendorff insgesamt 60.000 Menschen teilnahmen, die meisten Veteranen der nun genau zehn Jahre zurĂŒckliegenden Schlacht. Hindenburg begleitete seine zeremoniellen HammerschlĂ€ge auf den Grundstein mit dem „Hammerspruch“

„Den Gefallenen zum ehrenden GedĂ€chtnis, den Lebenden zu ernster Mahnung, den kommenden Geschlechtern zur Nacheiferung“cite-ref-8[8]

der im Wesentlichen der Inschrift des Nationaldenkmals auf dem Berliner Kreuzberg von 1821 entspricht.

Der Entwurf (Titel: „Gode Wind“) dieses grĂ¶ĂŸten deutschen Kriegsdenkmals stammte von den Berliner Architekten Walter und Johannes KrĂŒger. Sie hatten beim Wettbewerb 1925 unter 385 Einsendungen den ersten Preis errungen. Die Architektur sollte an das neolithische Stonehenge und an das mittelalterliche, oktogonale Castel del Monte erinnern. Die Anlage ist im Grundriss oktogonal, wobei sich jeweils in der Mitte der acht Ringmauerabschnitte ein 20 Meter hoher rechteckiger Turm aus roten Backsteinen erhebt.

Diesen TĂŒrme, entgegen dem Uhrzeigersinn von 1 bis 8 nummeriert, wurden verschiedene heroisierende Symbolfunktionen zugeordnet:cite-ref-9[9]

1. Eingangsturm, Aufenthaltsraum der Ehrenwache der Wehrmacht am Sarg Hindenburgs, Verwaltungshaus des Denkmals. An ihm hing eine bronzene Ehrentafel mit den Worten der Einweihungsrede von Hindenburg.

2. Weltkriegsturm. In ihm stand vom 7. August bis zum 2. Oktober 1935 der Sarg Hindenburgs.

3. Ostpreußenturm, diente der Darstellung der Wehrgeschichte Ostpreußens von der FrĂŒhzeit bis zum Nationalsozialismus.

4. Fahnenturm, in ihm waren alle Fahnen der deutschen Regimenter, die bei Tannenberg gekÀmpft hatten, ausgestellt. In der Decke befand sich ein Lichtdurchlass in Form eines Eisernen Kreuzes.

5. Hindenburgturm. In diesem Turm, der keine Zwischendecken besaß, befand sich eine 4 Meter hohe Hindenburg-Statue und spĂ€ter auch die Hindenburg-Gruft. Er stand gegenĂŒber dem Einlass.

6. Soldatenturm diente der besonderen Ehrung des deutschen KĂ€mpfers und zugleich als Aussichtsplattform.

7. Weiheturm, den Opfern des Weltkrieges gewidmet.

8. Feldherrenturm. Im ihm waren BronzebĂŒsten der Befehlshaber der selbststĂ€ndigen TruppenverbĂ€nde in der Tannenbergschlacht aufgestellt.

FĂŒr die vierzehn StĂ€dtesteine, die die Wappen der im Ersten Weltkrieg beschĂ€digten ostpreußischen StĂ€dte zeigten, wurde farbiger Granit verwendet. Zwischen dem Denkmal und dem Ort Hohenstein wurde ein 7,5 Hektar großer Denkmalpark angelegt. Die eigentliche GedenkstĂ€tte bestand ursprĂŒnglich aus der im Inneren des Denkmals unter einem GrabhĂŒgel mit hohem Kreuz befindlichen RuhestĂ€tte fĂŒr zwanzig unbekannte Soldaten. Sie kompensierte teilweise das Fehlen eines zentralen Grabmals des unbekannten Soldaten in Deutschland.

Tannenberg-Nationaldenkmal

Am 18. September 1927 weihte der fast achtzigjĂ€hrige, seit Mai 1925 als ReichsprĂ€sident amtierende Paul von Hindenburg das Denkmal ein. Es war als Sammlungspunkt konzipiert worden. Massenveranstaltungen sollten im Denkmal abgehalten werden können, wobei sich alles um das Kreuz scharen wĂŒrde, welches in der Hofmitte ĂŒber den SoldatengrĂ€bern errichtet worden war. Diesem Versammlungsgedanken Rechnung tragend, waren auch in den TĂŒrmen 1, 3, 5 und 7 große Torbögen eingelassen.

Das Denkmal war den Himmelsrichtungen entsprechend ausgerichtet. Das Eingangstor Tor 1 lag im Norden, die anderen entsprechend im Westen, SĂŒden und Osten. Die vier Wege – aus den Himmelsrichtungen der Tore kommend – kreuzten sich in der Mitte des Innenhofes, auf dem das erwĂ€hnte Kreuz errichtet war. Aber auch andere Veranstaltungen sollten nun im Geist Tannenbergs stattfinden. Insbesondere die Jugend sollte in diesem Geist erzogen werden. DafĂŒr wurde zeitgleich mit dem Bau des Denkmals im SĂŒden ein Sportplatz angelegt. In der ausschließlich durch Spenden finanzierten monumentalen Denkmalanlage hielt Hindenburg eine Rede, die in AuszĂŒgen in Messing am rechten Eingangstor angebracht wurde:

„Die Anklage, dass Deutschland schuld sei an diesem Kriege, weisen wir, weist das deutsche Volk in allen seinen Schichten einmĂŒtig zurĂŒck! Nicht Neid, Haß oder Eroberungslust gaben uns die Waffen in die Hand. Der Krieg war uns vielmehr das Ă€ußerste, mit dem schwersten Opfer verbundene Mittel der Selbstbehauptung einer Welt von Feinden gegenĂŒber. Reinen Herzens sind wir zur Verteidigung des Vaterlandes ausgezogen und mit reinen HĂ€nden hat das deutsche Heer das Schwert gefĂŒhrt. Deutschland ist jederzeit bereit, dies vor unparteilichen Richtern nachzuweisen. In den zahllosen GrĂ€bern, welche Zeichen deutschen Heldentums sind, ruhen ohne Unterschied MĂ€nner aller ParteifĂ€rbungen. Sie waren damals einig in der Liebe und in der Treue zum gemeinsamen Vaterlande. Darum möge an diesem Erinnerungsmale stets innerer Hader zerschellen; es sei eine StĂ€tte, an der sich alle die Hand reichen, welche die Liebe zum Vaterlande beseelt und denen die deutsche Ehre ĂŒber alles geht!“

Reichsehrenmal Tannenberg

Das Tannenberg-Denkmal war ein patriotischer Ort und ein nationaler Sammelpunkt gegen die Folgen des Versailler Vertrages, die Ostpreußen besonders schwer betrafen. Durch die Einrichtung des polnischen Korridors war die Provinz vom ĂŒbrigen Reich abgeschnitten und polnische Grenz- und Zollbeamte bemĂŒhten sich nach KrĂ€ften, durch besonders penible Kontrollen den neuen Zustand deutlich zu machen. Danzig war, entgegen dem Willen seiner Bevölkerung, zur „Freien Stadt“ unter polnischer Oberhoheit gemacht worden und die Grenze Ostpreußens zu Polen verlief an der Weichsel nicht, wie sonst international ĂŒblich, in der Flussmitte, sondern am rechten Ufer, so dass die dort lebenden Bewohner keinen Zutritt zum Fluss hatten, was allgemein als untragbar wahrgenommen wurde.

Im Nationalsozialismus entwickelte sich eine Um- und Weiterdeutung. Das zentrale Kreuz wurde entfernt. Die Reichsstraße 130 von Hohenstein nach Osterode, von der aus bislang ein bequemer Zugang möglich war, wurde im Bereich des Denkmals unterbrochen, durch eine Umgehungsstraße um Hohenstein herum ersetzt und der Zugangsweg bis zu dieser neuen Straße verlĂ€ngertcite-ref-10[10], wodurch die Besucher gezwungen waren, einen langen schnurgeraden Fußweg zum Denkmal zurĂŒckzulegen, der durch das Eingangstor direkt auf die Hindenburggruft zusteuerte – zum Totenkult des Dritten Reiches. Hindenburg wurde Teil des opferhaften Totenkults und der fatalistischen Nibelungentreue. Der Feldherr Hindenburg wurde vom „Helden von Tannenberg“ zum nationalsozialistischen Mythos gesteigert, der im Trauerakt um ihn am 7. August 1934 seinen Kulminationspunkt erreichte. Hindenburgs Sarg wurde – gegen seinen ausdrĂŒcklichen eigenen Willen und den seiner Angehörigen – nach den Trauerfeierlichkeiten vorerst im zweiten Turm aufgebahrt. In der Zwischenzeit erarbeiteten Walter und Johannes KrĂŒger die PlĂ€ne zur Umgestaltung des Denkmals zum Reichsehrenmal, in deren Zuge von Mitte 1934 bis Mitte 1935 die Hindenburggruft entstand. Dazu wurde der GrabhĂŒgel der unbekannten Soldaten in der Hofmitte beseitigt, das Kreuz am Hindenburgturm angebracht, die Toten in die Seitenkammern der Gruft umgebettet und der Ehrenhof zweieinhalb Meter tiefergelegt. Die TĂŒrme erhielten eine neue Bedachung, die dem Denkmal mehr den Charakter einer Festung gab. Am 2. Oktober 1935, dem Geburtstag Hindenburgs, erfolgte schließlich die Beisetzung des ReichsprĂ€sidenten Hindenburg zusammen mit seiner 1921 verstorbenen Ehefrau Gertrud in der neuen Gruft. An diesem Tage wurde das Denkmal auf Anweisung von Adolf Hitler offiziell vom Tannenberg-Nationaldenkmal zum Reichsehrenmal Tannenberg erhoben. Über dem Gruftraum befand sich die Hindenburg-Ehrenhalle. Die Halle wurde beherrscht von einem vier Meter hohen Porphyr-Standbild des Marschalls, das der Bildhauer Friedrich Bagdons geschaffen hatte. Die kirchlichen Fensterbilder erhöhten die sakrale Wirkung. Den gleichen Zweck dĂŒrfte die ewige Ehrenwache vor der Gruft bewirkt haben. Bezeichnend fĂŒr die neue Interpretation war das Epitaph an der EingangstĂŒr zum Hindenburgturm, ein Zitat von Hindenburg: „Massgebend in meinem Leben und Tun war fĂŒr mich nicht der Beifall der Welt, sondern die eigene Überzeugung, die Pflicht und das Gewissen bis zu meinem letzten Atemzuge wird die Wiedergeburt Deutschlands meine einzige Sorge der Inhalt meines Bangens und Betens sein.“ Dabei ist das Zitat seines Kontextes entrissen und irrefĂŒhrend in der Kombination zusammengestellt. Das Original war eine Rechtfertigung: „Als Mensch habe ich gedacht, gehandelt und geirrt. Maßgebend in meinem Leben und Tun war fĂŒr mich nicht der Beifall der Welt, sondern die eigene Überzeugung, die Pflicht und das Gewissen.“cite-ref-11[11] Sein religiöses Bekenntnis zur treuen PflichterfĂŒllung wurde von den Zeitgenossen im nationalsozialistischen Sinn entfremdend missbraucht: „So leuchten uns die LebenssĂ€tze des großen Deutschen entgegen von der gewaltigen BronzetĂŒr der GedĂ€chtnishalle im Hindenburgturm. Und da steht die Gestalt des Feldherrn nun, von des KĂŒnstlers HĂ€nden in ein gewaltiges Denkmal aus mattem Porphyr gebannt. So, wie er in der Seele des Volkes seit dieser einzigartigen Schlacht schon immer gelebt hat: Gewaltig, hoch, alles Menschliche ĂŒberragend, mythisch. Er ist die geruhigte Kraft, die wie ein Felsen im Strudel der Zeit steht, der die Krise, welche auch die Tannenbergschlacht hatte, mit dieser tiefen inneren Ruhe ĂŒberwand, wie er alle Krisen ĂŒberwunden hat.“cite-ref-12[12]

Tannenbergfahrt

In den zwanziger und dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts galt die Tannenbergfahrt als verbindlicher Bestandteil einer offiziellen Ostpreußenreise. Sie beinhaltete den Besuch des Tannenbergdenkmals – verbunden mit dem Besuch des Abstimmungsdenkmals, des FeldherrnhĂŒgels in Frögenau, des Samsonow-Steins und zumindest eines der vielen verstreuten Ehrenfriedhöfe. Der grĂ¶ĂŸte Ehrenfriedhof fĂŒr die in der Schlacht bei Tannenberg gefallenen Soldaten war der Soldatenfriedhof in Waplitz mit 433 deutschen und 203 russischen Gefallenen.cite-ref-13[13]

Ende

Nach der Befreiung Warschaus durch Truppen der Roten Armee und der Polnischen OststreitkrĂ€fte setzten diese ihre Offensive im Januar 1945 nach Norden fort und schnitten Ostpreußen vom Deutschen Reich ab. WĂ€hrend der folgenden KĂ€mpfe um Ostpreußen wurde das Denkmal beim RĂŒckzug der deutschen Truppen auf Befehl Hitlers teilweise gesprengt. Der Befehl zur Sprengung erreichte den Kommandeur der 299. Infanteriedivision, Oberst Karl Göbel, am Morgen des 21. Januar 1945. Da keine Pioniersprengmittel vorhanden waren, erfolgte am gleichen Tag die Sprengung der Hindenburg-Gruft mit Tellerminen. Mit neu herangebrachten Pioniersprengmitteln erfolgte abends schließlich die Sprengung des Haupt- und des Eingangsturmes. Mit weiteren 30 Tonnen Munition wurde am 22. Januar die Zerstörung fortgesetzt. Eine vollstĂ€ndige Sprengung erfolgte, bedingt durch die weiteren Kriegs- und Kampfhandlungen, nicht mehr.cite-ref-14[14] Die entnommenen SĂ€rge von Hindenburg und seiner Frau wurden ĂŒber Königsberg in ein thĂŒringisches Salzbergwerk in Merkers in Sicherheit gebracht. Die US-Armee, die ThĂŒringen und weite Teile Sachsens eroberte, ĂŒberfĂŒhrte sie – zusammen mit den SĂ€rgen der Preußenkönige und anderen vorgefundenen Kunstwerken – nach Westdeutschland. Sie ruhen heute in der Elisabethkirche in Marburg. VollstĂ€ndig abgetragen wurde das Denkmal in den Jahren 1952/53 durch polnische Pioniere. Die dabei teilweise gewonnenen Materialien kamen unter anderem beim Bau des GebĂ€udes des Zentralkomitees der Polnischen Vereinigten Arbeiterpartei zum Einsatz, das nach 1989 zum Warschauer Finanzzentrum umfunktioniert wurde. Erhalten blieb vom Denkmal lediglich ein von Michelangelo Pietrobelli angefertigtes Löwenbildnis, das etwa 300 Meter vor den DenkmalgebĂ€uden stand und ursprĂŒnglich auf einer 8 Meter hohen Pyramide aus Feldsteinen platziert war. Es war den Gefallenen des 2. Masurischen Infanterie-Regiments Nr. 147, Hindenburgs-Leibregiment aus der Winterschlacht in Masuren, gewidmet. Am 20. Mai 1993 wurde der Löwe, der sich fast fĂŒnfzig Jahre auf einem sowjetischen KasernengelĂ€nde befand, vor dem Rathaus von Olsztynek auf einem Sockel aufgestellt.

Siehe auch
Einzelnachweise

cite-note-11. ↑ Sven Ekdahl: Die Schlacht bei Tannenberg 1410: EinfĂŒhrung und Quellenlage. Duncker & Humblot, 1982, ISBN 3-428-05243-9, (online) S. 13ff.
cite-note-22. ↑ Stephen R. Turnbull, Richard Hook: Tannenberg 1410: Disaster for the Teutonic Knights. Osprey Publishing, 2003, ISBN 1-84176-561-9, (Leseprobe online)
cite-note-33. ↑ Stephen Turnbull: Grunwald/Tannenberg 1410. Grada Publishing, 2008, ISBN 978-80-247-2376-1. Ersterscheinen 1965. (Leseprobe in polnischer Sprache online)
cite-note-44. ↑ Sven Ekdahl: The Battle of Tannenberg-Grunwald-Ćœalgiris (1410) as reflected in Twentieth-Century monuments. In: Victor Mallia-Milanes, Malcolm Barber: The Military Orders Volume 3: History and Heritage. Ashgate Publishing, 2008, ISBN 978-0-7546-6290-7, S. 175ff. (online)
cite-note-55. ↑ Frithjof Benjamin Schenk: Tannenberg/Grunwald. In: Etienne François, Hagen Schulze (Hrsg.): Deutsche Erinnerungsorte. Band 1. C. H. Beck, MĂŒnchen 2001, ISBN 3-406-59141-8, S. 438–454.
cite-note-66. ↑ Jesko von Hoegen: Der Held von Tannenberg. Genese und Funktion des Hindenburg-Mythos (1914–1934). Böhlau, Köln/Wien 2007, ISBN 978-3-412-17006-6, S. 40f.
cite-note-77. ↑ Holger Afflerbach (Bearb.): Kaiser Wilhelm II. als Oberster Kriegsherr im Ersten Weltkrieg. Quellen aus der militĂ€rischen Umgebung des Kaisers 1914–1918. Verlag Oldenbourg, MĂŒnchen 2005, ISBN 3-486-57581-3, S. 148.
cite-note-88. ↑ Kuratorium fĂŒr das Reichsehrenmal Tannenberg (Hrsg.): Tannenberg. Gerhard Stalling, Oldenburg 1939, S. 203.
cite-note-99. ↑ Reichsehrenmal Tannenberg, original offizieller ReisefĂŒhrer des Ehrenmals
cite-note-1010. ↑ Kartenbild von 1944 auf der Topographischen Karte 1:100.000 auf landkartenarchiv.de
cite-note-1111. ↑ zitiert nach Gustav Stresemann: VermĂ€chtnis. Ullstein 1932, S. 473.
cite-note-1212. ↑ Abschrift der BroschĂŒre: Reichsehrenmal Tannenberg. Textgestaltung: Hansgeorg Buchholz, Lötzen – Bilder nach Radierungen von Georg Fritz, Berlin – Druck von Otto Eisner, Berlin SW 68
cite-note-1313. ↑ Die Friedhofsanlage in Waplitz / Waplewo auf der Internetseite des Volksbund Deutsche KriegsrĂ€berfĂŒrsorge, abgerufen am 5. Februar 2021.
cite-note-1414. ↑ Vgl. Aus der Meldung der 299. Infanteriedivision an das VII. Panzer-Korps ĂŒber die "Verteidigung und Vernichtung des Reichsehrenmals Tannenberg" vom 25. Januar 1945, in: Knafla, Alfred: Flucht und Vertreibung aus dem Kreis Osterode Ostpreußen 1945. Osterode am Harz 2005. S. 33.

Literatur

SekundÀrliteratur

‱ JĂŒrgen Tietz: Das Tannenberg-Nationaldenkmal. Architektur, Geschichte, Kontext. Dissertation. Verlag Bauwesen, Berlin 1999, ISBN 3-345-00673-1.
‱ Wolfgang Wippermann: Die Geschichte des „Reichsehrenmals Tannenberg“: Ein historisches LehrstĂŒck. In: Niemandsland : Zeitschrift zwischen den Kulturen, Jahrgang 1, Heft 2/1987, ISBN 3-88940-701-3, S. 58–69.

PrimÀrquellen

‱ Friedrich Meyer: Der öffentliche Wettbewerb fĂŒr das Tannenberg-Nationaldenkmal bei Hohenstein i. Ostpr. In: Zentralblatt der Bauverwaltung, Nr. 24, 1925, S. 289–292.
‱ Walter, Johannes KrĂŒger: Das Tannenberg-National-Denkmal. Eine ErlĂ€uterung von den Erbauern. SĂŒdostpreußisches VerkehrsbĂŒro, Allenstein ca. 1928.
‱ Otto Ewert: Tannenberg. Denkmalstadt Hohenstein, Schlachtfeld und Heldenfriedhöfe, Tannenberg-Nationaldenkmal, GrĂ€berverzeichnis. E. GrĂŒnberger, Hohenstein ca. 1935.
‱ Hansgeorg Buchholtz: Reichsehrenmal Tannenberg. Hrsg. Verkehrsgesellschaft Tannenberg, Hohenstein (Ostpreußen) 1939.

Weblinks

Commons

: Tannenberg-Denkmal

– Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

‱ Das Reichsehrenmal Tannenberg – Website zur Geschichte des Ehrenmals mit vielen Fotos
‱ Die Entstehung des Tannenberg-Denkmals
‱ Fotos vom Ort des ehemaligen Tannenberg-Denkmals
‱ AusfĂŒhrliche Information ĂŒber das Tannenberg-Denkmal mit vielen Fotos

53.58138888888920.260833333333coordinatesKoordinaten: 53° 34â€Č 53″ N, 20° 15â€Č 39″ O